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O tempora, o mores! Der Odebrecht-Skandal und der Bergbau in Peru als Themen beim Kirchentag in Dortmund

© Bernd Hippler, Perukreis St. Martin

von Michael Schrick

Vom 19. bis 23. Juni 2019 fand in Dortmund der 37. Deutsche Evangelische Kirchentag statt. In Zusammenarbeit mit der ökumenisch-kritischen Zeitschrift Publik-Forum, die in der (katholischen) Kirchengemeinde St. Martin ihr Kirchentags-Zentrum eingerichtet hatte, konnten von der Infostelle Peru und der Kampagne „Bergwerk Peru – Reichtum geht, Armut bleibt“ auch zwei Veranstaltungen angeboten werden.

Vorab ein Wort zur Gemeinde St. Martin: seit unglaublichen 55 Jahren ist sie partnerschaftlich mit verschiedenen Aktivitäten in Cajamarca verbunden, u.a. durch eine Gemeindepartnerschaft und durch Freiwillige beim Projekt MANTHOC für arbeitende Kinder. Dass Publik-Forum sich ausgerechnet St. Martin als Partner ausgesucht hatte, war wahrscheinlich kein Zufall, aber für uns ausgesprochen vorteilhaft.

Am Samstag, 22. Juni, war es auch für die Vertreter*innen der Kampagne „Bergwerk Peru – Reichtum geht, Armut bleibt“ und der Infostelle Peru endlich soweit.

Vormittags fand im Gemeindesaal eine szenische Lesung zur Korruption in Lateinamerika und speziell in Peru am Beispiel des brasilianischen Baukonzerns Odebrecht statt. Die etwa 30 Anwesenden lauschten gebannt den Auszügen aus den Verhören der Staatsanwaltschaft, die diese mit den wichtigsten an der Korruption beteiligten Odebrecht-Mitarbeitern führte, und den begleitenden Erklärungen einer Sprecherin und eines Sprechers. Aus den Texten, zusammengestellt von Heinz und Trudi Schulze, wurde das ganze Ausmaß der Korruption deutlich, sowohl was die nationalen und internationalen Verstrickungen als auch das zahlenmäßige Ausmaß angeht. Alle letzten Präsidenten, Vater und Tochter Fujimori und viele weitere Politiker*innen wurden von Odebrecht geschmiert und sitzen jetzt im Gefängnis, werden mit Haftbefehl gesucht oder haben sich erschossen. Und was hat es der Firma Odebrecht gebracht? Die hat jetzt Konkurs angemeldet.

In der anschließenden, von Günther Keine vom Perukreis St. Martin moderierten Diskussion wurden zahlreiche Fragen nach vertiefenden Informationen – auch zur Korruption in Deutschland – gestellt und beantwortet.

Hier geht’s zum Text der Doku-Lesung zum Odebrecht-Skandal.

Nach einer kleinen Mittagspause mit weiteren interessanten Gesprächen ging es nachmittags in der Kirche St. Martin weiter, in der während des gesamten Kirchentags die Posterausstellung der Kampagne „Bergwerk Peru – Reichtum geht, Armut bleibt“ zu sehen war. Unter der fachkundigen Moderation des ehemaligen Chefredakteurs von Publik-Forum, Wolfgang Kessler, diskutierten der grüne Europaabgeordnete Sven Giegold, Vertreterinnen von Fridays for Future und der Widerstandsbewegung aus dem Hambacher Forst sowie Hartmut Heidenreich von der Kampagne „Bergwerk Peru – Reichtum geht, Armut bleibt“ über das Thema „Können wir uns die Schöpfung noch leisten?“. Dabei ergaben sich viele Gemeinsamkeiten zwischen den Bewegungen zur Rettung von Natur und Kulturlandschaften in Deutschland und in Peru. Die mit zahlreichen Zahlen und Fakten unterlegten fundierten Ausführungen von Hartmut Heidenreich zum Bergbau in Peru und den damit verbundenen sozialen und Umweltproblemen trugen sehr zum Verständnis des globalen Kontextes bei.

Die etwa 150 Anwesenden diskutierten kräftig mit und applaudierten heftig bei der Forderung nach einem eigenen Rettungsschiff für Flüchtlinge und bei der Aufforderung an den EKD-Ratsvorsitzenden Bedford-Strohm, in einer Kirche im Gebiet des Hambacher Forstes einen Gottesdienst zu halten.

Über die positiven Resonanzen der Anwesenden und die erfolgreiche Zusammenarbeit mit dem Perukreis St. Martin in Dortmund sowie mit Publik-Forum haben wir uns sehr gefreut und freuen uns schon auf künftige gemeinsame Aktivitäten.