| Das Projekt „Minas Conga“ |
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Am Sonntag, dem 4. Dezember 2011, wurde in vier Provinzen der Region Cajamarca seitens des peruanischen Präsidenten Ollanta Humala der Ausnahmezustand erklärt, nachdem die Verhandlungen zwischen dem Premierminister Lerner, der mit einer dreiköpfigen Ministerdelegation am selben Tag nach Cajamarca gekommen war, und den lokalen Behörden gescheitert waren. Vorausgegangen war ein mehrtägiger Generalstreik gegen das Bergbauprojekt „Minas Conga“, woran sich Zehntausende Menschen beteiligten. Es blieben Läden geschlossen, Straßen wurden blockiert und durch das Projekt betroffene Lagunen friedlich besetzt, worauf nach einer Woche der Minenbetreiber bekannt gab, das Projekt Conga zu Gunsten eines Dialogs der Regierung mit lokalen Behörden und der Bevölkerung vorläufig einzustellen. Die Bevölkerung ist davon überzeugt, dass das Projekt „Minas Conga“ ihre Wasservorräte gefährde.
Was ist das Projekt „Minas Conga“?
Minas Conga ist ein weiteres Gold- und
Kupferminenprojekt des Bergbauunternehmens „Minera Yanacocha“ in der
Region Cajamarca nur wenige Kilometer von der Hauptmine Yanacocha
entfernt, durch die die Bevölkerung seit Jahren mit Wassermangel und
akuter Umweltverschmutzung zu kämpfen hat. Durch das neue Projekt sollen
vier natürliche Lagunen unwiederbringlich zerstört werden. Während die
Lagunen Pero und Mala in zwei offene Tagebaue umgewandelt werden sollen,
sind die beiden anderen (Azúl und Chica) für die Entsorgung der
toxischen Abfälle vorgesehen. Zur Gewinnung des Goldes wird das
Unternehmen täglich 92.000 Tonnen Berg abtragen, gewaltige Mengen
Trinkwasser verbrauchen, Zyanid verwenden und damit die Bäche, Flüsse
und Grundwasser in einem 700 Hektar großen Gebiet verseuchen. Zwar hat
das Unternehmen zur Kompensation der Zerstörung der vier Lagunen die
Errichtung zweier künstlicher Lagunen versprochen, doch Experten
bezweifeln, dass diese Pläne ausreichen, um eine hinreichende
Wasserversorgung zu gewährleisten.
Auswirkungen
Neben der Verunreinigung der Bäche und Flüsse durch die täglich
anfallenden toxischen Abfälle hat die Zerstörung der Lagunen nicht
kalkulierbare hydrologische und hydrogeologische Auswirkungen auf das
komplexe und sensible Wassersystem (die Provinz Cajamarca liegt im
Einzugsbereich der Wasserscheide zwischen Atlantik und Pazifik). Denn
diese Seen sind unterirdisch miteinander verbunden und speisen etliche
Flüsse, Kanäle und Feuchtgebiete bis weit in das Tiefland hinein. Weiter
wird das Gleichgewicht des Wasserhaushaltes gestört. Doch die Menschen
sind auf das Wasser angewiesen. Denn 98% der Bevölkerung leben dort von
der Land- und Viehwirtschaft und ohne eine kontinuierliche Versorgung
mit sauberem Wasser werden sie ihrer Lebensgrundlage beraubt. Mal ganz
abgesehen von der Trinkwasserversorgung, die ebenfalls von dem Projekt
beeinträchtigt wird.
Die nur in acht Monaten durchgeführte und genehmigte
Umweltverträglichkeitsstudie EIA [Estudio de Impacto Ambiental] (der Weg
bis zur Genehmigung einer EIA in Peru, dauert im Durchschnitt zwei
Jahre) wird momentan durch das Umweltministerium überarbeitet. Bisher
wurde bekannt, dass die Studie erhebliche Lücken aufweist,
einschließlich des Fehlens einer hydrogeologischen Studie. Cecilia Remón
schreibt in ihrem Bericht „Wasser oder Gold“, dass solch eine Studie
jedoch unerlässlich sei, um die Funktionsweise der Lagunen verstehen zu
können. Zudem sei der Nutzen der Lagunen für die Umwelt nicht bewertet
worden, der durch diese Ökosysteme entsteht. „Die Lagunen erfüllen eine
Aufgabe gegenüber der Umwelt – das Abfangen und die erneute Verteilung
des Wassers; das betrifft sowohl die Menge, die Qualität wie überhaupt
die Verfügbarkeit dieses Rohstoffes“, erklärt Julia Cuadros, Direktorin
der Nichtregierungsorganisation CooperAcción. Aus Protest gegen das
Conga-Projekt ist Jose de Echavé, der stellvertretende Umweltminister,
von seinem Amt zurückgetreten. Einige Tage später trat der
Ministerpräsident Salomon Lerner mit seinem gesamten Kabinett zurück; es
wird spekuliert, ob der Streit um Conga hierbei auch eine Rolle
gespielt hat.
Zur Reaktion der Regierung
Der frühere peruanische Präsident Alan Garcia (2006-2011) hatte ein
schrankenloses Wachstum für Peru als Ziel festgesetzt, welches er mit
der großzügigen Verteilung von Konzessionen für den Abbau von
Rohstoffen, vor allem an US-amerikanische und chinesische Konzerne zu
erreichen gedachte. Zwar hat der jetzige Präsiden Ollanta Humala dieses
Erbe seines Vorgängers zu tragen, doch hat er den Ureinwohnern in seinem
Wahlkampf versprochen, mehr Rücksicht auf ihre Interessen zu nehmen.
Vor allem diesem Versprechen hat Humala seinen Wahlsieg zu verdanken.
Die Frage „Gold oder Wasser“ hatte er mit einem klaren Votum hin zum
Wasser beantwortet, während er jetzt eine Kehrtwendung macht. Bei einer
Pressekonferenz im Regierungspalast betonte Humala jetzt: „Wir wollen
keine Extrempositionen einnehmen und genau dies müssen wir der
Bevölkerung verständlich machen. Wir wollen beides, das Wasser und das
Gold.“ Nur das halten die Cajamarquinos für undurchführbar. Außerdem hat
die Bevölkerung wenig Hoffnung auf eine positive wirtschaftliche
Entwicklung ihrer Region. Denn solche Versprechen zu Beginn der
Bergbauaktivitäten Yanacochas im Jahr 1993 blieben unerfüllt. Nach 18
Jahren ist Cajamarca immer noch die viertärmste Region des Landes.
Schon Ende September 2011 hat der peruanische Kongress das Gesetz „Ley
de Consulta Previa“ verabschiedet, welches die vorherige Konsultation
der indigenen Bevölkerung im Regenwald und im Andenhochland bei
Großprojekten wie z.B. Bergbau und der Gewinnung von Erdöl und Erdgas
vorsieht und damit die Konvention 169 der Internationalen
Arbeitsorganisation ILO umsetzt. Doch die konkreten
Ausführungsvorschriften und die Konsultation der Cajamarquinos zum
Projekt Conga lassen noch auf sich warten.
Die von der Regierung gegründete neue Behörde zur Prävention sozialer
Konflikte übt sich in Passivität.
Zum Bergbauunternehmen Minera Yanacocha
Das Bergbauunternehmen Minera Yanacocha gehört zu 51,35% dem
US-Amerikanischen Unternehmen Newmont Mining Coorporation, zu 43,65% der
peruanischen Firma Minas Buenaventura und zu 5% der International
Finance Corporation, dem „Finanzierungsarm“ der Weltbank. Ihr größtes
Bergbauprojekt ist die Goldmine Yanacocha, die sich 30 bis 60 Kilometer
nördlich und nordöstlich der Stadt Cajamarca befindet, auf einer Höhe
von 3.400 bis 4.120 Metern. Die Mine besteht aus 5 offenen Tagebauen, wo
Gold durch das toxische, in Europa verbotene Zyanidlaugungsverfahren
gewonnen wird, was zu schweren Umweltproblemen führt. Obwohl die
Minenbetreiber stetig versichern, dass das Verfahren sicher sei, sterben
in den Flüssen und Seen der Region immer wieder massenhaft Fische.
Bauern beklagen, dass aufgrund Wassermangels und –verschmutzung, ihr
Vieh erkrankt und verendet. Die Goldmine ist die größte Lateinamerikas
und die zweitgrößte der Welt. Von dem neuen Projekt „Minas Conga“ sind
rund 32 Dörfer betroffen. Im Jahr 2014 soll mit der Förderung von Gold
und Kupfer begonnen werden, die rund 19 Jahre andauern soll, dann werden
sich die Vorräte erschöpft haben. Das Projekt hat eine
Investitionssumme von 4,8 Mrd. USD.
Yanacocha hat in der Vergangenheit des öfteren den Zorn der Bevölkerung
auf sich gezogen, z.B. durch die rabiate, auch vor persönlicher
Bedrohung nicht Halt machende Beobachtung und Verfolgung von
UmweltaktivistInnen und durch seinen zynischen Umgang mit den Opfern des
Quecksilberunfalls von Choropampa am 2. Juni 2000. Auch der direkt an
der Wasserscheide zwischen Atlantik und Pazifik gelegene „Heilige Berg“
der Bevölkerung, der Cerro Quilish, gelangt immer wieder in das Visier
von Yanacocha, da in den bisherigen Abbaugebieten der Goldgehalt des
Gesteins drastisch zurückgegangen ist und das Unternehmen sich dort
deutlich höhere Erträge erhofft. Dabei werden soziale Konflikte und die
Spaltung der Bevölkerung bewusst in Kauf genommen. Unter den zahlreichen
in Peru vertretenen Bergbauunternehmen genießt Newmont wegen seines
rigiden Umgangs mit der betroffenen Bevölkerung, der gezielten
Desinformation und der Nichtbeachtung jeglicher Umweltauflagen schon
seit langem nicht den besten Ruf.
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