Rundreise von Paula Meza und Ana Leyva Valera (aktualisiert)

Paula Meza und Ana Leyva Valera haben auf ihrer Rundreise durch Deutschland und der Schweiz viele Vorträge gehalten und Interviews gegeben. Einige Eindrücke der Rundreise vermitteln die folgenden Berichte.
Deutsche Welle: BERGBAU: Gift, giftiger, La Oroya
Luft, Wasser, Erde – La Oroya in Peru liegt ein einem der wertvollsten Ökosysteme der Welt.
Doch der Bergbau hat dort alles vergiftet. Sogar vom Weltraum aus ist La Oroya nicht zu verfehlen. Ein weißer Fleck im Grau-Braun der Andenlandschaft, quadratkilometerweit, so sticht es aus dem Computer-Satellitenbild. "Das Weiße ist verbrannte Erde", beginnt Paula Meza die virtuelle Ortsbegehung, "das kommt von den Schwefel- Abgasen aus der Metallschmelze hier." Dann klickt sie Millimeter um Millimeter weiter: neben der Schmelze die Stadt, rund um die Stadt Abfallhalden, weiter hinten, "das Schwarze", offene Minen, 19 an der Zahl – noch weiter hinten, ein kleiner Grünstreifen: "das zeigen sie dann in den Werbespots." La Oroya in Peru hat Weltberühmtheit erlangt – als einer der schmutzigsten Orte der Welt. Die Anden- Stadt, knapp 200 Kilometer von Lima entfernt, liegt nahe dem Cerro de Pasco - im großen Bergbauzentrum eines Landes, dessen wichtigstes Exportgut seit jeher Bodenschätze sind: "Doch reich wurde Peru davon nie, im Gegenteil", sagt Ana Leyva. Die Menschenrechtsanwältin ist gemeinsam mit Paula Meza auf Deutschland-Reise. Sie wollen erzählen, wie es aussieht, in den Bergbaugebieten Perus, in denen ausländische Minen-Unternehmen immer noch agieren wie in dunkelster Kolonialzeit.
 
Warum nur sind alle krank?
Die Erzverarbeitungsanlage des US-Unternehmens Doe Run Company und die 19 ansässigen offenen Minen verpesten Luft, Wasser und Erde des Andenhochlandes – und damit eines der wertvollsten Ökosysteme der Welt. Pflanzen verdorren, das Zuchtvieh verkümmert und in der Dreckbrühe des Mantaro-Flusses sind die letzten Fische längst erstickt. Der Bergbau raubt den Bauern ihre Lebensgrundlage und macht sie noch anfälliger für Krankheiten: "Denn wenn ein Körper unterernährt ist, setzen sich die Giftsstoffe noch schneller in den Knochen und im Blut fest", erklärt Paula Meza. Fast jedes Kind in La Oroya habe Blei im Blut. Blei belastet das Nervensystem, führt zu Hyperaktivität, zu Depressionen oder auch zu Krebs. Dazu kommen Arsen, Cadmium, Quecksilber, Antimon - die Liste ist lang. "Den Bewohnern war aber gar nicht bewusst, dass sie inmitten von Gift leben," sagt Paula. Die Doe Run Company verharmloste die Fälle gleichzeitig über die örtliche Radiostation. "Sie haben sich nur gefragt, warum so viele Leute krank werden."
 
Gift? – Kaufen wir gerne!
Egal für welches der Schwermetalle, alle Grenzwerte werden in La Oroya um ein Vielfaches überschritten - Paula Meza hat sie selbst gemessen, in einer Studie für das peruanische Gesundheitsministerium, die 1999 von der Universität San Luis erstellt wurde. Die Bergbauingenieurin arbeitete damals noch selbst bei der Doe Run Company, die die Schmelze 1997 vom peruanischen Staat übernommen hatte. Das Unternehmen versprach, die Anlagen zu modernisieren – nichts geschah. "Natürlich nicht," sagt Paula Meza. Denn mit den rostigen und veralteten Maschinen können Mineralien verarbeitet werden, die andere Betriebe mit spitzen Fingern von sich weisen würden. "Weil sie so giftig sind, dass sie gegen alles - internationale Auflagen und den gesunden Menschenverstand - verstoßen." Doch Doe Run lasse die schmutzigen Metalle sogar importieren – aus Chile, Bolivien oder auch anderen Teilen Perus. Daraus extrahierten sie die brauchbaren Stoffe – Kupfererz, Blei und Zinn, die sich teuer im Ausland verkaufen lassen. "Den Giftmüll lassen sie bei uns."
 
Rausholen, rausschaffen – die alte Geschichte
Lange Zeit wurden keine Steuern auf die Ausfuhren ausländischer Unternehmen erhoben. Das hat sich zwar geändert, aber die Einnahmen – 30 Prozent der Gewinne – versickern nun meist in den Provinzbehörden. Korruption sei das eine, sagt Ana Leyva, doch vor allem fehle ein nationaler Entwicklungsplan. "Die Beamten in den Provinzbehören wissen überhaupt nicht, was die Menschen brauchen, und noch viel weniger, wie man so etwas wie regionale Entwicklung vorantreiben könnte", sagt Ana Leyva. Peru lieferte Rohstoffe, eine weiterverarbeitende Industrie gab es nie, wurde nie aufgebaut. Und bis heute fehlt das Personal dafür: die wenigen Absolventen aus der Hauptstadt Lima zieht es nicht gerade ins einsame Hinterland der Anden. Die dortigen Bewohner sind meist Bauern, die ihren Lebensunterhalt seit jeher mit Landwirtschaft bestritten haben. Nicht nur, dass der Bergbau ihre Äcker und Zuchtgebiete zerstört, er bietet ihnen auch keine Alternativen: denn einfache Arbeiten werden schon längst durch Maschinen ersetzt. Insgesamt, so schätzen Nichtregierungsorganisationen, sind höchstens 150.000 Peruaner im Bergbau beschäftigt. Das Land hat 30 Millionen Einwohner.
 
Warten, bis es knallt
Versprechen contra Realität, statt Arbeitsplätze verdorrte Ernten – das heize Konflikte an, sagt Ana Leyva, die als Anwältin auch die Klagen in der "Defensoría del Pueblo", dem staatlichen Beschwerdebüro, einsieht. Allein im März habe es über hundert Konflikte in Bergbaugebieten gegeben: Protestmärsche, Straßenblockaden, aber auch Ausschreitungen mit Verletzten und Toten gab es. "Doch erst wenn es knallt, greift der Staat ein," so die Erfahrung der Anwältin. 2003 hat sie das "Red Muqui" mitbegründet. Die Organisation klärt die Menschen in den betroffenen Dörfern über die Risiken und ihre Rechte auf. Vor allem aber versucht sie, Staat und Unternehmen dazu zu bringen, ihrer Verantwortung für Umwelt und die Gesundheit der Menschen nachzukommen. Das große Problem: "Der Staat ist in vielen Gegenden Perus gar nicht präsent. Das Land ist so groß." Und so werden die einfachsten Kontrollen wie Wasser- und Erdproben nicht gemacht. Zwar gab es wegen der vielen Proteste Fortschritte. Statt des Bergbauministeriums – "was für eine Farce ohnehin" – war nun eine unabhängige Behörde zuständig. Doch, sagt Ana Meza, "jetzt wurde alles ins Umweltministerium verlegt – dort gibt es aber weder Geld noch Personal."
 
Deutschland nicht unschuldig
"Mehr Kosmetik als wirklicher Wachmann", so denkt Ana über das Umweltministerium, bei dessen Aufbau vor zwei Jahren auch Deutschland mitgeholfen hat. Dabei hätte Berlin sehr wohl eine Verantwortung für die Situation in den Abbaugebieten: Peru ist nach Chile der zweitwichtigste Kupferimporteur Deutschlands. Wo genau und unter welchen Bedingungen diese Metalle gefördert werden, wer beteiligt ist und in welchem Maße, das alles weiß niemand im Detail: "Es fehlt an Transparenz," sagt Sebastian Rötters von der Nichtregierungsorganisation FIAN. Allerdings sei bisher auch kein politischer Wille erkennbar, für diese Transparenz zu sorgen: "weder auf deutscher noch auf europäischer Ebene." Die laschen Standards zu verschärfen sei vor allem dann schwierig, wenn bereits bilaterale Abkommen über den Status Quo abgeschlossen wären. Das Freihandelsabkommen zwischen der Europäischen Union und Peru wäre so ein Vertrag – Mitte Mai soll er auf dem EU-Lateinamerika- Gipfel in Madrid unterschrieben werden. Die Organisation "Red Muqui" protestiert dagegen. Ana sagt: "Anstatt von seinen Rohstoffen zu profitieren, verliert der Staat an Einfluss." Und das in einer Situation, fügt sie verbittert hinzu, in der man eigentlich eine starke Hand bräuchte, die sich um das Wohl der eigenen Bevölkerung kümmert.
 
Autorin: Anne Herrberg
Redaktion: Oliver Pieper
Quelle: Deutsche Welle
 
Mainz: „Reichtum geht - Armut bleibt"
Abend über soziale und ökologische Folgen des Bergbaus in Peru
Mainz. Die Verletzung von Menschenrechten bei der Rohstoffgewinnung in Peru stand im Mittelpunkt eines Abends im Mainzer Rathaus. Unter der Überschrift „Gold oder Leben? Peru am Scheideweg - und was wir damit zu tun haben" berichteten die Rechtsanwältin Ana Leyva und die Bergbauingenieurin Paula Meza aus Peru über die Missachtung von Umweltstandards in peruanischen Minen. Die beiden unterstützen Kinder und ihre Eltern in La Oroya in den peruanischen Anden, einem der zehn vergiftetsten Orte der Welt. Als Mitarbeiterinnen von Erzbischof Pedro Ricardo Barreto Jimeno SJ aus der Erzdiözese Huancayo/Peru weisen sie durch die Messung von Blut- und Luftwerten Vergiftungen von Menschen und Umwelt nach.
 
Vorbereitet worden war der Abend am 7. Mai vom Direktor des Bildungswerks der Diözese Mainz; Dr. Hartmut Heidenreich, in Zusammenarbeit mit mehreren Kooperationspartnern. Heidenreich wies in seiner Moderation darauf hin, dass am gleichen Tag Padre Marco Arana aus Cajamarca/Peru als diesjähriger Internationaler Aachener Friedenspreisträger bekannt gegeben worden war. Arana ist Kooperationspartner der „Kampagne Bergbau Peru", die unter anderen von Misereor, Caritas International, Terres des Hommes und dem Bistum Mainz getragen werde. Er hat seine Gemeinden in Auseinandersetzungen um ihre Rechte und gegen Umweltzerstörung mit einer der profitabelsten Goldminen der Welt, Yanacocha, seit langem unterstützt und auch auf nationaler Ebene die entsprechenden Initiativen koordiniert; bereits 2004 hat er den peruanischen Friedenspreis erhalten.
 
Veranstalter waren neben dem Bildungswerk der Diözese Mainz das Entwicklungspolitische Landesnetzwerk Rheinland-Pfalz, die Evangelische Erwachsenenbildung, Landeshauptstadt Mainz - Lokale Agenda 21, Landeszentrale für Politische Bildung Rheinland-Pfalz, Pax Christi-Bistumsstelle Mainz, das Referat Weltkirche/Gerechtigkeit und Frieden des Bistums Mainz sowie der Weltladen Unterwegs Mainz. Musikalisch gestaltet wurde der Abend von der Mainzer Gruppe „Eco Latino".
 
Dr. Hartmut Heidenreich
 
Besuch in der Schweiz
Im Auftrag der Kampagne hat Paul Mathis Veranstaltungen vom 10. bis 12.Mai 2010 mit Paula Meza und Ana Leyva Valera in der Schweiz organisiert. Im folgenden dokumentiert er seine Eindrücke:
 
Impresión general:
He notado que Ana y Paula se completaron muy bien. Paula dió informaciones basadas en la experiencia concreta de la contaminación en el Valle del Mantaro, proveniente de las mineras, particularmente de Doe Run. Y Ana abrió después el panorama al ámbito regional y nacional, indicando que el caso de Doe Run y las prácticas de las empresas mineras en combinación de actores estatales se parecen en todo el país. La parte de la visita en Suiza se concretó relativamente tarde, por lo que no fue posible organizar algún encuentro más, sea en circulos de apoyo de nuestros cooperantes, sea con la administración suiza (como Cosude y SECO)
 
10 de Mayo
Presentación / Intercambio para el público en la RomeroHaus, Lucerna.
Unas 30 personas participaron activamente en el encuentro. Paula y Ana presentaron por medio de fotos impactantes y sus comentarios muy fundamentados un cuadro de la situación de la minería en el Perú, particularmente en cuanto al impacto a la naturaleza y a la convivencia civil. Algunos temas: para ciertos contaminantes (plomo, arsenio) no hay ni siquiera valores límites en el Perú. Los estudios de impacto ambiental se hacen a favor de las empresas, el estado apoya sus versiones. No hay confianza con entidades estatales. La contaminación alcanza regiones enteras – la agricultura ya no puede producir sin veneno en sus productos (regados con agua del río contaminada). Los estudios demuestran que en todos los lugares, donde hay actividad minera, la contaminación está muchas veces por encima de lo permitido. Las empresas se hacen apoyar por los medios de comunicación y entes estatales. Perú es considerado como tercer país afectado más por el cambio climático (después de Bangladesh y Honduras). El 98% de las reservas hídricas del Perú están disponibles en la selva, mientras solamente 2% en la sierra y costa – la lucha y el miedo por agua limpia aumentan. La minería, por más que produce mucha riqueza (para el pbi, para las mineras, para alguna parte de la sociedad civil), solamente ofrece unos 150'000 puestos de trabajo. De una tonelada de materiales movidos se recibe 0.5 g de oro. De manera impresionante Paula y Ana hablaron de su motivación de seguir trabajando para que la actividad minera se enmarque dentro de un concepto integral de desarrollo de las zonas rurales y a nivel nacional, que respete el ambito de vida de la gente. Cuentan de experiencias motivadoras con gente, quienes – al notar por el trabajo de conscientización de ellas y sus organizaciones que sus bases de vida están amenazadas – descubren capacidades de propuesta y de lucha contra procesos intransparentes. Se comprometen para luchar a favor de una actividad minera responsable, que aporta a mejorar sus condicones de vida, y no destruye lugares de valor único. El intercambio con la audiencia fue muy animado – ¡una buena actividad!
 
11 de Mayo
Paula dió una entrevista a Rosmarie Kayser, periodista de la revista Wendekreis („Trópico“) de la MBI. Almuerzo con Franz Erni, director del departamento de Misión de la MBI y Emilio Näf, anterior Superior General de la Sociedad Misionera de Belén, y actual miembro de la junta directiva de la MBI. Encuentro en la Casa Federal en Berna con Sr. Pietro Piffaretti, Coordinador Regional América Central y América del Sur, de la División Política II, y Sra. Doris Wälchli Giraud, coordinadora regional adjunta Canadá, Méjico, América Central y Caribe.
Como miembros de la DP II, están trabajando asuntos bilaterales de Suiza con países de sus regiones, coordinando acciones de la política exerior Suiza. Intentaban invitar a representantes de la COSUDE y del SECO, pero como se organizó el encuentro a corto plazo, estaban comprometidos ya con otros asuntos.
 
Algunos enfoques (adicionales a los mencionados en Lucerna):
La red muqui aboga por una minería responsable: Redistribución de los ingresos a la comunidad afectada Impuestos / aportes justificados – adecuados Traslados de comunidades según criterios transparentes bajo involucramiento de la población afectada.
 
La agresión aumenta contra organizaciones que quieren monitorear, fiscalizar las actividades mineras o quienes informan a la población sobre sus derechos. Hay sabotajes y hasta un atentado que por suerte no tuvo consecuencias mortales. Pero no se nota esfuerzos de las autoridades policiales y judiciales de aclarar los acontecimientos. La problemática fundamental de que se dan cuenta las poblaciones: el control de sus recursos básicos (agua!!!) y de la tierra está amenazado por actores que experimentan como invasores. Esto lleva a un número cada vez mayor de conflictos sociales (de un total de 252 conflictos registrados en el país, más de la mitad tienen que ver con la minería.
 
P. Piffaretti, que hace un par de años trabajaba en la embajada de Suiza en Perú hace hincapié a qué la Suiza sigue una política económica liberal y a la vez una política de DDHH y desarrollo sostenible. El estado tiene la posibilidad de llevar un diálogo con empresas suizas involucradas. Se estima que Xstrata es una empresa que asume mayor responsabilidad (que ?), mientras que Glencore es menos transparente. Considera como muy importante el trabajo de inforamción de las ONGs / organizaciones de base. Anima a que se documente acontecimientos a nivel local, y que se mande cartas a la consejera federal (actualmente: Micheline Calmy Rey), concertadas con ONGs Suizas presentes en el Peru. Esto les daría un mandato político para investigar y entablar un diálogo con las empresas . A la vez dice que es importante también, que se busque contactos directos con las empresas mineras. Si estas no quieren entablar contactos, es una información adicional que se puede pasar al nivel político. Invita también tomar contactos con el secretariado de estado para la economía (SECO) o con COSUDE en Lima, preguntando p.e. si tienen proyectos de protección de agua con empresas mineras. P. Piffaretti da informaciones sobre el proceso del TLC entre los estados de la EFTA y Perú. El contrato fue parafado en 2008. En las próximas semanas será firmado en el marco de la reunión ministerial en Islandia. Después vendrá el proceso de ratificación en los parlamentos. Los contenidos del contrato recién serán discutidos en el proceso de ratificación. Esto podría ser un momento de abogar para que la minería sea mirada con atención. Hay una parte sobre asistencia técnica, donde se podría hacer incidencia de la sociedad civil sobre temas de medioambiente.
 
Encuentro con periodista Rosa Amelia Fierro, de swissinfo, en Berna.
Rosa Amelia Fierro nos pasará el enlace, una vez que aparece la entrevista en swissinfo.
 
12 de Mayo:
Encuentro con el periodista Oswald Iten, periodista de la NZZ, uno de los periódicos con más renombre en Suiza en lo que se refiere al periodismo internacional y económico Viaje a Munich 
 
Blickpunkt-Lateinamerika.de: "Bergbau: Aus der Kloake wieder einen Fluss machen"
Paula Meza (48) hat bei ihrer Deutschlandreise im Mai 2010 den Rhein gesehen. „Früher war das ein toter Fluss, hat man mir erzählt“, sagt sie und ihre Augen blitzen: „Jetzt ist er wieder lebendig. Es gibt Fische im Rhein, es gibt Leben. Das macht mir Hoffnung für unser Projekt in Peru.“ Paula Meza ist Bergbauingenieurin. Sie unterstützt im Auftrag der Erzdiozöse von Huancayo in der Region Junín die Organisation „El Mantaro Revive“, übersetzt: „Der Mantaro-Fluss erwacht“. Der Fluss Mantaro in der zentralperuanischen Andenregion sei so gut wie tot, sagt sie. In ihm fließt alles zusammen: unbehandelte Abwässer aus Ufersiedlungen, Müll, aber vor allem hochgradig verseuchtes Wasser aus der Bergbauproduktion.
 
Denn die Stadt La Oroya, das Bergbauzentrum Perus, liegt an den Ufern des Flusses und hat ihn ins Koma befördert. Seit 1928 wird dort in 3.700 Meter Höhe Bergbau betrieben, seit vielen Jahren verhüttet der US-Konzern Doe Run die aus den Gesteinen ringsum geförderten Metalle. Das sind vor allem Blei, Kupfer, Zink und Gold. Und entsprechend verseucht sind Luft, Wasser und Böden mit Arsen, Cadmium, Blei, Quecksilber und Schwefelsäure. La Oroya ist einer der zehn am meisten kontaminierten Orte auf der Welt.
 
„Hier ist keiner gesund“, sagt Paula Meza. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO beträgt der für den menschlichen Organismus verträgliche Höchstwert an Blei im Blut 10 Mikrogramm pro Deziliter Blut. „Aber 97 Prozent der Kinder in La Oroya haben drei bis sechsmal so hohe Werte“. Paula Meza klingt manchmal, als könne sie das selbst kaum glauben. Doe Run erfüllt die Umweltauflagen nicht, und die Regierung kneift bisher beide Augen zu. „Außerdem fehlen verbindliche Grenzwerte, die mit internationalen Standards korrespondieren. Wir liegen überall drüber.“ Sie muss es wissen. Paula Meza hat die Werte selbst gemessen. „Der Staat tut aber nichts. Er erfüllt seine Aufgabe nicht und die Zivilgesellschaft hat keine Stimme“, erklärt die Ingenieurin, „aber das ändert sich. Wir werden immer mehr“.
 
Junín ist nicht nur eine Bergbauregion mit 19 Minen rund um La Oroya. Dort gibt es vor allem Viehzucht und Landwirtschaft. „Das verseuchte Wasser nutzen die Bauern zur Bewässerung ihrer Felder. Und am Ende landet das hoch kontaminierte Gemüse in der Hauptstadt Lima auf dem Markt.“ Das Projekt zur Wiederbelebung des Flusses Mantaro wird von deutschen Organisationen unterstützt. „Ohne die Hilfe von Misereor, Adveniat, Caritas Deutschland und der Kindermission könnten wir nur sehr wenig tun“. Das Projekt fordert von der Regierung das Erstellen einer umfangreichen, unabhängigen Umweltstudie unter Beteiligung der Bevölkerung.
 
„Ich liefere Werte, damit die Experten in Sachen Menschenrechte und Politik Argumente haben“, sagt Paula Meza, die sich mit ihrer Arbeit als „Teil eines größeren Ganzen" sieht. „Mantaro Revive" arbeitet dabei mit dem Netzwerk „Red Muquí“ zusammen, das auf nationaler Ebene Akteure vernetzt, ihnen beim Kampf gegen Minenprojekte hilft, Lobbyarbeit leistet, Gesetzesvorschläge erarbeitet und Präzedenzfälle begleitet. Den 2003 gegründeten Zusammenschluss aus 22 Organisationen hatte die Anwältin Ana Leyva (42) mitgegründet. Heute ist sie dessen Koordinatorin. „Es geht uns um die Rechte und um die Partizipation der von Minenprojekten betroffenen Bevölkerung“ unterstreicht sie. Das sind Aufgaben des Staates. Wir wollen dafür sorgen, dass er seine Aufgaben wahrnimmt“.
 
Autorin: Bettina Hoyer